Das Herrenhaus der Domaine aux Conseillans

Vier Jahrhunderte, urkundlich belegt

Geschichte

Die Geschichte dieses Ortes lässt sich nachlesen — in Notariatsakten von 1704 bis 1808, in einem Briefwechsel des Winters 1896/97 und in den Aufzeichnungen, die Jean Ribéreau-Gayon 1979 aus diesen Dokumenten zusammentrug.

Lieu-dit

Der Name

Der heutige Name der Domaine — Aux Conseillans — ist zugleich der Name des lieu-dit, der Flurbezeichnung, auf der das Gut liegt und die im Kataster verzeichnet ist. Einer Überlieferung nach reicht er bis in die Religionskriege zurück und meinte jene, die Partei ergriffen und beistanden, die conseillans et aydans — eine schöne, aber historisch nicht abschließend belegte Deutung.

In den alten Quellen trägt das Gut lange andere Namen: métairie de la Lande und Panissaut, später Domaine des Conseillans. Der Önologe Jean Ribéreau-Gayon schrieb im 20. Jahrhundert Les Conseillans. Wir führen heute die Schreibung des Lieu-dit, Aux Conseillans, und erklären die älteren Formen dort, wo von der Vergangenheit die Rede ist.

1704

Die Ursprünge: Manos und die Métairie de la Lande

Die Domaine entstand aus zwei ursprünglich getrennten Gütern in der Pfarrei Saint-Caprazy — dem alten Namen von Saint-Caprais-de-Bordeaux. Das eine war der bourdieu de Manos, ein kleiner geschlossener Hof, das andere die größere métairie de la Lande.

Am 19. Juli 1704 teilten die Herren Duplessy und Croizier das Gut Manos; die Quelle des Hofes blieb gemeinschaftlich. Aus dieser Teilung stammt eine Parzelle, die schon 1704 der métairie de la Lande zugeschlagen wurde und bis heute zum Gut gehört. Reben gab es damals bereits, sie verschwanden später wieder. Die großen Wege der Gegend — nach Sadirac, Créon und Camblanes — bestanden schon 1704.

1738–1751

Die Zusammenlegung unter Pierre Daban-Broca

Den entscheidenden Schritt zur heutigen Domaine tat ein Bordelaiser Bürger und vereidigter Auktionator, Pierre Daban-Broca. 1738 erwarb er Panissaut, den Kern des späteren Guts. 1749 kaufte er die benachbarte métairie de la Lande hinzu — der hoch verschuldete Verkäufer ließ ein „stark verfallenes, dem Einsturz nahes“ Anwesen zurück. Ein Jahr später griff das feudale Rückkaufsrecht der Familie, der retrait lignager: 1750 zog der Ortsherr das Gut an sich, und erst 1751 kaufte Daban-Broca es endgültig zurück. Damit vereinte er Panissaut und die métairie zu einer geschlossenen Einheit — deren Grenzen im Wesentlichen bis heute aus dem Jahr 1751 stammen.

Wie überall im alten Frankreich standen über dem Gut Grundherren, denen Abgaben zustanden — doch die eigentlichen Eigentümer waren die tenanciers, die das Land bewirtschafteten.

1751–1808

Aufstieg des Weinbaus und das Herrenhaus

Unter Daban-Broca wurde das Gut instand gesetzt und mit Reben bepflanzt, mit sichtbarem Erfolg: In einem Vierteljahrhundert, von 1751 bis 1778, verzehnfachte sich sein Wert, von 2.400 auf 22.000 Livres. Darin spiegelt sich der große Aufschwung der Bordeaux-Weine im dritten Viertel des 18. Jahrhunderts.

Um 1800 ließ sein Sohn Jacques das Herrenhaus errichten, auf den älteren Mauern eines Vorgängerbaus, dessen Treppenhaus bis heute erhalten ist; die südliche Fassade steht so noch heute. Während der Revolution geschah dem Gut nichts — es blieb in Familienhand. 1808 verkaufte schließlich Jean Daban-Broca, Pierres Enkel, das damals domaine de Pénissant et Limancet genannte Anwesen an Joseph Gabet für 24.000 Francs. Der Kaufvertrag beschreibt das Haus Raum für Raum — Fassade im Süden, Winzerwohnung im Westen, Gärkeller im Osten, Weinlager im Norden —, den Innenausbau noch unvollendet, samt Fässern, Gerät und einem Töpferofen.

19. Jahrhundert

Blüte, Krisen und die Familie Montéro

Im Lauf des Jahrhunderts setzte sich allmählich der Name des Conseillans durch. Über weite Strecken schweigen die erhaltenen Quellen; belegt ist, dass das Gut 1870 auf 80.000 Francs geschätzt wurde. Dann kamen die großen Rebkrankheiten — Oïdium, Phylloxéra und Mildiou — und verwüsteten die Weinberge. Von einst rund 45 Hektar standen nur noch etwa zweieinhalb Hektar Reben.

„… ich habe die Lust völlig verloren, als ich meine Reben verloren sah.“
Madame Montéro, 1897

1897

Die Familie Guillot de Suduiraut

Zum Jahreswechsel 1896/97 verkaufte Madame Montéro das geschwächte Gut; der erhaltene Briefwechsel hält die Verhandlung Tag für Tag fest, bis zum Telegramm „Sache abgeschlossen zu 54.000“. Käufer war Maurice Guillot de Suduiraut, Miteigentümer des Médoc-Guts Château Citran. Vom Weinbau geplagt, suchte er bewusst ein Anwesen ohne Reben. Er starb 1914. Der Familie Guillot ist es zu verdanken, dass die alten Akten und Briefe bewahrt wurden — auf ihrer Grundlage schrieb Jean Ribéreau-Gayon später jene historische Zusammenfassung, die bis heute das Rückgrat dieser Chronik bildet.

1938 – heute

Das 20. und 21. Jahrhundert

1938 erwarb Professor Jean Ribéreau-Gayon, einer der Mitbegründer der modernen Önologie, das Gut. Er richtete hier einen Versuchskeller ein, in dem auch Émile Peynaud arbeitete und in dem Arbeiten zur malolaktischen Gärung entstanden. Ribéreau-Gayon bepflanzte den Weinberg neu und blieb dem Gut bis zu seinem Tod 1991 verbunden; er ist in Saint-Caprais bestattet. Auf sein Betreiben wurde die Domaine am 30. Dezember 1975 als Site classé unter Schutz gestellt — zum Erhalt des Herrenhauses aus dem späten 18. Jahrhundert und seines Parks mit seltenen Bäumen.

Nach über sechs Jahrzehnten in der Familie Ribéreau-Gayon übernahmen um 2002 Serge und Sylvia Ruiz das Gut, 2011 folgten Bruce Jackson und Irina Krasovskaya. Seit 2023 führen Marc und Ellen Ruhland die Domaine — wieder unter dem Namen ihres Lieu-dit, Aux Conseillans.

Karten & Dokumente

Spuren im Papier

Belleyme-Karte, 18. Jahrhundert: Panissaut
Belleyme-Karte · Panissaut
Katasterkarte um 1820
Kataster · um 1820

Quellen & Methode

Woher wir das wissen

Diese Übersicht stützt sich zuerst auf den Historique résumé du Domaine des Conseillans, den Jean Ribéreau-Gayon 1979 verfasste und der die Notariatsakten von 1704, 1738, 1749, 1751, 1777/78 und 1808 sowie die Korrespondenz von 1896/97 auswertet — teils in der Transkription des Historikers R. Pijassou. Die Angaben zum 20. Jahrhundert stammen aus amtlicher Präfektur-Korrespondenz (1974–1976), der DREAL-Fiche zum Site classé, Nachrufen von 1991 und einer Gutsbroschüre.

Einiges ist noch nicht abschließend geklärt — der genaue Wortlaut einzelner Daten, die Jahre zwischen 1808 und 1896, einzelne Katasterangaben.

Wir sind noch nicht lange hier, die jüngsten in einer langen Reihe — und freuen uns, die Geschichte des Ortes ein Stück weiterzutragen.